Die Unterzeichnung des Kooperationsabkommens zwischen der Oblast Winnyzja und dem Bundesland Rheinland-Pfalz war ein bedeutender Meilenstein für die Entwicklung der bilateralen Beziehungen. Das Abkommen schuf die Grundlage für eine Vertiefung der Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen, insbesondere im Agrarsektor.
Das Projekt DUALOG, das in der Region Winnyzja umgesetzt wird, beteiligt sich aktiv an der Ausgestaltung dieser regionalen Partnerschaft. Ein sichtbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die Organisation einer Hospitation für Vertreter der Agrarfachschule Illintzi beim Genossenschaftsunternehmen Pfalzmarkt eG im Zeitraum von Juli bis August 2026.
Zur Abstimmung weiterer Schritte der Zusammenarbeit besuchte vom 20. bis 27. September 2026 eine Delegation aus der Oblast Winnyzja das Bundesland Rheinland-Pfalz. Ihr gehörten Olena Lipach, Leiterin der Abteilung für internationale Zusammenarbeit im Referat für internationale Zusammenarbeit und regionale Entwicklung der Oblastverwaltung Winnyzja, sowie Olha Oliinyk, Vertreterin der Agentur für lokale Demokratie „LDA Winnyzja“ und stellvertretende Leiterin des Sekretariats sowie Leiterin des Zentrums für Kommunikation, Außenbeziehungen und Fördermittelakquise des Verbandes der lokalen Selbstverwaltungsorgane der Oblast Winnyzja, an.
Am 24. September 2026 traf sich der DUALOG-Experte Andriy Getya mit den Mitgliedern der ukrainischen Delegation und nahm an dem agrarfachlichen Programm des Besuchs teil.
Der erste Programmpunkt führte die Delegation zum Gemüsebaubetrieb Kessler-Weiss GbR.

Das Unternehmen bewirtschaftet mehr als 400 Hektar Anbaufläche, verfügt über eigene Anlagen zur Reinigung und Verpackung der Erzeugnisse und beschäftigt während der Saison rund 400 Arbeitskräfte. Betriebsleiter Frank Kessler informierte über die aktuellen Herausforderungen des Gemüsebaus, darunter den Mangel an Arbeitskräften, steigende Produktionskosten, den Klimawandel sowie die zunehmende Wasserknappheit. Darüber hinaus wurden Fragen der Qualitätssicherung, des Ressourcenmanagements und die Vorteile der Zusammenarbeit innerhalb von Erzeugergemeinschaften erörtert.
Im Zusammenhang mit einem möglichen EU-Beitritt der Ukraine interessierte sich die Delegation für die Einschätzung deutscher Gemüseerzeuger hinsichtlich künftiger Wettbewerbsbedingungen. Frank Kessler betonte, dass sein Betrieb auf Frischgemüse aus Freilandanbau spezialisiert sei und die ukrainischen Produzenten daher nicht als unmittelbare Wettbewerber betrachte.

Anschließend fand ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Pfalzmarkt eG unter Leitung von Hans-Jörg Friedrich statt.

Die Genossenschaft bündelt die Vermarktung von Obst und Gemüse zahlreicher Obst- und Gemüseerzeuger in Rheinland-Pfalz und fungiert als Schnittstelle zwischen den Landwirten und Lebensmitteleinzelhandel.
Die Delegationsmitglieder erhielten Einblicke in die Nutzung europäischer Förderinstrumente. So wurde der moderne Logistikkomplex für Lagerung, Sortierung, Kühlung und Abfertigung der Produkte mit Unterstützung der Europäischen Union errichtet. Das Investitionsvolumen belief sich auf rund 40 Millionen Euro.
Beeindruckend war insbesondere die Effizienz der betrieblichen Abläufe. Zwischen dem Eingang einer Bestellung und der Auslieferung der Ware vergehen in der Regel nicht mehr als zwei Tage, selbst wenn sich die Produkte zum Zeitpunkt der Bestellung noch auf dem Feld befanden.
Ein zentrales Merkmal von Pfalzmarkt ist das umfassende Qualitätsmanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dieses reicht von Kontrollen direkt auf dem Feld bis hin zu Laboranalysen auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Darüber hinaus gewährleistet eine durchgängige Kühlkette optimale Bedingungen für die Lagerung und den Transport der Produkte. Spezielle Anlagen ermöglichen eine Schnellkühlung der Erzeugnisse innerhalb von nur 30 Minuten.
Hans-Jörg Friedrich berichtete zudem über die Erfahrungen mit den ukrainischen Praktikanten, die sich im Rahmen von DUALOG mit den Arbeitsabläufen bei Pfalzmarkt vertraut gemacht hatten. Die gewonnenen Kenntnisse sollen künftig beim Betrieb der im Rahmen des Projekts in der Ukraine errichteten Kühl- und Lagerinfrastruktur genutzt werden.
Im Rahmen des Austauschs schlug Frau Olena Lipach vor, die Expertise und praktischen Erfahrungen der Pfalzmarkt eG auf dem EU-Markt über das DUALOG-Projekt gezielt ukrainischen Erzeugern zugänglich zu machen.
Den Abschluss des Programms bildete der Besuch des Gemüsebau-Versuchsbetriebs Queckbrunnerhof. Dessen Leiter, Dr. Sebastian Weinheimer, stellte die Forschungsschwerpunkte der Einrichtung vor, darunter Pflanzenschutz, Bewässerungssysteme (einschließlich digital gesteuerte), Düngungsstrategien, und ökologischen Landbau.

Darüber hinaus erläuterte er die Finanzierung der Tätigkeit sowie den Wissenstransfer an landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Im Rahmen der Diskussion wurde auch der Gewächshausanbau thematisiert. Dr. Sebastian Weinheimer erklärte, dass diese Produktionsform in der Region nur eine untergeordnete Rolle spiele, da die klimatischen Bedingungen den Freilandanbau begünstigten. Daher werden Kulturen wie Tomaten, Paprika, Auberginen, Gurken oder Erdbeeren, die für Gewächshausanbau tauglich sind, überwiegend in anderen Regionen produziert. Gleichzeitig sei zu bemerken, dass neue Gewächshausanlagen bevorzugt in Gebieten mit einem Überschuss an elektrischer oder thermischer Energie errichtet werden.
Darüber hinaus wies Dr. Sebastian Weinheimer darauf hin, dass die Fachkräfte des Queckbrunnerhofs aktiv an der Ausbildung von Gärtnerinnen und Gärtnern in den Fachrichtungen Gemüsebau, Obstbau und Zierpflanzenbau beteiligt sind. Eine der größten Herausforderungen sei jedoch der kontinuierliche Rückgang der Auszubildendenzahlen.
Die Delegation wurde während des gesamten Arbeitstages von Karsten Lucke (Europäische und internationale Zusammenarbeit, Staatskanzlei Rheinland-Pfalz) sowie von Dr. Norbert Laun, dem ehemaligen Abteilungsleiter Gartenbau am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz (DLR), begleitet.



